Nach fünf Jahren in eine eigene Wohnung

Ganze fünf Jahre hat Herr R. auf der Straße gelebt. Nun ist er mit Housing First aus der Obdachlosigkeit in eine eigene Wohnung mit unbefristetem Mietvertrag gezogen. Sein neues Reich ist frisch renoviert, ungefähr 40 qm groß, mit Wannenbad und Balkon.

Nun wird es erst mal darum gehen, die Wohnung einzurichten und anzukommen. Fest steht, dass Herr R. durch Housing First Berlin zunächst einmal einen sicheren Wohnraum erhalten hat. Ob und wo er weitere Unterstützung durch unsere Sozialarbeiter*innen und Sozialbetreuer*innen benötigt, wird in enger Absprache entschieden und dann, angepasst an seine Lebenssituation, umgesetzt.

Wir freuen uns mit Herrn R. und hoffen, dass er sich schnell in seinem neuen Zuhause einlebt!

Herr R. ist mit Housing First Berlin in seine eigene Wohnung gezogen
Mit Housing First hat Herr R. zum ersten Mal seit fünf Jahren eine eigene Wohnung gefunden.

„Die Wohnung soll am Anfang stehen“ – Housing First Berlin im Deutschlandfunk Kultur

Susanne Arlt vom Deutschlandradio Kultur hat im Länderreport unseren Projektleiter Stefan Laurer in einem Telefoninterview zu Housing First Berlin befragt.

Housing First im Ländermagazin Deutschlandfunk Kultur

Was macht Housing First so besonders? Das ist eine der ersten Fragen der Journalistin vom Ländermagazin des Deutschlandfunk Kultur. Im Gegensatz zu der herkömmlichen Wohnungslosenhilfe, wo vor der Erlangung von Wohnraum zunächst ein Hilfeplan erstellt und abgearbeitet werden muss, möchte Housing First genau umgekehrt an das Problem Wohnungslosenhilfe herangehen, antwortet Stefan Laurer.  Die Wohnung soll am Anfang stehen, bedingungslos und unbefristet.

Weiter geht es in dem Gespräch mit dem Deutschlandfunk Kultur um die Frage, warum sich das Konzept, was in den USA seit 30 Jahren existiert, in Deutschland bisher noch nicht durchgesetzt hat. Susanne Arlt verweist dabei auch auf die zahlreichen Studien, die den Erfolg von Housing First belegen. Der Wert der Wohnraumerhaltung liegt beispielsweise bei 80 bis 90 Prozent.

Bei der Vermittlung von Wohnung ist es Housing First wichtig, keine langen Wartelisten zu füllen und die Menschen auf unbestimmte Zeit im Unklaren zu lassen, wann sie eine Wohnung bekommen, erklärt Stefan Laurer. Ziel ist es, den Menschen in vier bis sechs Wochen ein Wohnungsangebot machen zu können.

Dass der Bezug einer Wohnung nach einer Zeit der Obdachlosigkeit auch belastende Momente enthalten kann, darf man bei der Betreuung ehemals obdachloser Menschen nicht vergessen.  Ob polizeiliche Meldung, Anmeldung von Strom oder die Einrichtung der Wohnung – bei einem Einzug muss vieles organisiert werden. Hierbei hilft Housing First Berlin, wo Unterstützung gebraucht und gewollt wird, ganz individuell auf die Person und ihre jeweilige Lebenssituation zugeschnitten.

Wir danken Frau Arlt und dem Ländermagazin im Deutschlandfunk Kultur für das Interesse an Housing First Berlin und das facettenreiche Interview.

Hier der ganze Beitrag aus der Mediathek des Deutschlandfunk Kultur.

Housing First Berlin im Ländermagazin von Deutschlandfunk Kultur
Frau Bujnak auf ihrem Balkon. Sie ist die erste Klientin, die über Housing First Berlin eine Wohnung bezogen hat. Quelle: (picture alliance/Carsten Koall/dpa)

 

 

 

 

Die erste Vermittlung- Housing First Berlin im zibb Magazin

Seit dem Start von Housing First Berlin wurden bislang sieben obdachlose Menschen in ihre eigene Wohnung vermittelt. Wie geht es ihnen in ihren neuen vier Wänden? Und wie geht es weiter?

Das wollte auch Jana Kalms vom RBB wissen. Für das Magazin „zibb – Zuhause in Berlin & Brandenburg“ hatte sie bereits in der Anfangsphase von Housing First berichtet. Dieses Mal besuchten sie und ihr Team unsere Klientin Frau Ingrid Bujnak in ihrem neuen Zuhause. Frau Bujnak ist unsere erste Klientin, die eine vermittelte Wohnung bezogen hat.

Housing First im zibb Magazin des RBB
Quelle: RBB Mediathek

Im Fernsehbeitrag erzählt sie: „Ich bin wieder ein Mensch. Ich kann lesen, schreiben, ich kann Ich sein. Ich kann stolz durch die Gegend laufen. Und wenn mich jemand fragt ‚Wo wohnst du?‘, dann sag ich ‚In Schöneberg‘, fertig. Und nicht mehr ‚Im Obdachlosenheim‘ – Das war das Schlimmste für mich.“

Die Arbeit von Housing First Berlin endet aber nicht mit der Wohnungsvermittlung und dem Einzug, auch das zeigt der Beitrag. Jetzt, wo Frau Bujnak sich eingerichtet hat und angekommen ist, geht es darum, sie professionell zu unterstützen.

Wie die Unterstützung für Frau Bujnak aussieht und was sie für Pläne hat, das schaut man am besten selbst. Hier geht es zum Beitrag in der RBB Mediathek.

Wir danken Frau Kalms, zibb und dem RBB für den tollen Beitrag über unsere Arbeit!

 

Für Vermieter

Für dieses Projekt suchen wir immer 1-Zimmer-Wohnungen im gesamten Berliner Stadtgebiet.
Der Mietvertrag sollte unbefristet sein und direkt mit den Betroffenen abgeschlossen werden.
Housing First Berlin steht dabei zu jeder Zeit für alle Seiten als kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung.
Gern beantwortet Sebastian Böwe (Koordinator Wohnraum) unter 0163 – 887 17 17 oder s.boewe@housingfirstberlin.de Ihre Fragen.

Housing First Berlin kommt

Die Neue Chance gGmbH und der Verein für Berliner Stadtmission starten am 1. Oktober 2018 das durch die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales des Landes Berlin zuwendungsfinanzierte Modellprojekt „Housing First Berlin“.

Wohnungslose Menschen in Berlin, die Anspruch auf Sozialleistungen haben, aber im Hilfesystem noch keine Möglichkeit gefunden haben, ein eigenes Dach über dem Kopf zu erhalten und zu sichern, bekommen durch Housing First die Möglichkeit, eine eigene Wohnung UND eine individuelle Unterstützung zu erlangen ohne in die schwierigen Anforderungen der anfänglichen Zuständigkeitsklärung insbesondere zwischen den Bereichen Wohnungslosen-, Eingliederungs- bzw. Jugendhilfe sowie Pflege, medizinische und häusliche Versorgung zu geraten.

Ziel ist immer die Sicherung des eigenen Wohnraums als existentielle und damit zuständigkeitsbegründende Grundlage für die antragslose Unterstützung durch das Housing First Team bei der Vermittlung in die bestehenden Regelsysteme, also die verschiedenen Sozialleistungsangebote.

Weitere Informationen in Kürze!